Freitag, 18. Januar 2013

Ab in den Süden!



Ihr kennt doch sicherlich den Sommerhit „Ab in den Süden“, der 2003 wohl das Sommerlied schlechthin war. Getreu diesem Motto ging’s für uns ebenfalls gen Süden. Ach nee, da war ja noch was – da hätte ich doch glatt vergessen über Silvester zu berichten. Das wäre wohl nicht weiter schlimm gewesen, denn das war wohl die schlechteste Jahreswende gewesen, die ich jemals erlebt hatte.
Nachdem wir fünf Wochen im beschaulichen Martinborough verbracht hatten hatten wir von Wein erst mal die Nase voll gehabt. Aber wohin? Der Jahreswechsel stand vor der Tür. Aber wo sollte man den feiern? Klar, in der Haupstadt Neuseelands natürlich. Auch wenn es doch recht ruhig und besonnen im ganzen Land zu geht musste doch immerhin Wellington etwas bieten, oder? Also hieß es für uns: mit dem Zug nach Wellington, Sachen im Hostel abstellen, in die Stadt und die geladene Atmosphäre genießen! Im Hostel wurde uns von einer Party berichtet, die wohl die größte in ganz Wellington sein sollte. Also schauten wir da vorbei. Das erste was uns auf den Straßen „des Zentrums von Mittelerde“ auffiel, war, das uns nichts auffiel, was hieß: kaum Leute, kein Feuerwerk und schon gar keine geladene Stimmung. Dieser eine Club wird das schon wieder rausreißen! Und danach um 12 Uhr stand ja immer noch das riesige Feuerwerk am Hafen Wellingtons an! Voller Tatendrang ging es also zum „San Francisco was-weiß-ich-Club“. Das Versprechen der größten Party wurde leider nicht eingelöst. Dafür hätte es einen saftigen Eintritt von zwanzig Dollars gekostet. Nee, danke, da doch lieber gleich zum Hafen. Auf dem Weg trafen wir einen Bekannten aus dem Hostel in Rotorua mit dem wir dann ausgelassen über vergangene Reiseerfahrungen schwafelten. Und dann waren wir auch schon da, standen vor der „Bühne“, die Wellington repräsentieren sollte. Selbst im kleinsten Dorf Deutschlands hätte man dich für so eine Bühne ausgelacht. Gerade mal so groß um, wenn man selbst darauf stand, nicht links, rechts, vorne oder hinten über zu fallen. Wir ahnten, was das für ein „Silvester“ werden würde. „Nicht verzagen“, dachten wir uns. „Ist ja auch schon fast 12“. Und da wurde uns das ganze Ausmaß des Reinfalls klar. Niemand wusste so Recht, wann denn nun Neujahr war. Es gab keinen Countdown, ein Feuerwerk kam auch nicht. Ab und an jubelten ein paar Menschengruppen los, welche aber auch schnell wieder verstummten. Eine leicht angetrunkene Frau kam auf uns zu und nuschelte „Happy New Year“. Danke gleichfalls. Immerhin hatten wir ja ein Bier gehabt. Ach nein, das hatten sie uns ja auch weggenommen gehabt weil das Trinken auf der Straße ja nicht erlaubt sei. So endete das wohl kürzeste und enttäuschendste Silvester überhaupt. Eines muss man den Neuseeländern lassen: Feiern können sie auf jeden Fall nicht! Das Feuewerk war, wie wir später erfuhren, wegen Wind abgesagt wurden. 

Den letzten Tag verbrachten wir gemütlich im Botanischen Garten Wellingtons und in einer Spieleausstellung im Te Papa, dem Museum Wellingtons. Eigentlich hatten wir noch vorgehabt eine Parlamentsführung einzulegen, ganz im Traveller-Style mit Jogginghose versteht sich. Jedoch fanden keine Führungen an diesem Tag statt sodass wir nur die Außenmauern "bestaunen" konnten.



Doch nun zurück zur Spieleausstellung... Dort konnten sich die großen Jungs austoben. Von Spieleautomaten mit Spielen, wie „PacMan“ oder „Space Invaders“ über tragbare Spielekonsolen, wie den Nintendo 3DS zu Computer-Spielen oder aber auch „Indie-Games“ für die PS3 oder XBOX 360 gab es alles. Selbst Kultsimulationen, wie die hier brachten auch heutzutage noch viel Spaß mit sich!

Der botanische Garten (zumindest ein kleiner Teil davon)

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Ich, total vertieft im Spiel...

Space Invaders im "old-school-style"


Nachdem wir einige Zeit (ich will nicht nennen, wie lange genau ;) ) dort verbracht hatten waren wir bereit das nächste Abenteuer zu beginnen: „Ab in den Süden“ oder eher „Ab auf die Südinsel“! Per Schiff kamen wir trotz kritischem Seegangs auf der „Cook Strait“ pünktlich in Picton an. 

Der Ausblick von der Fähre...


Nach etwas Schlaf fuhren wir mit dem allseits beliebten „nakedbus“ direkt nach Nelson, einem kleinen Ort, der von ganzen drei Nationalparks umgeben ist und von denen wir einen besuchen wollten. Bereits im Bus merkten wir den Unterschied von der Nord- zur Südinsel: Es gab keine Gurte, niemand scherte sich darum. Dieser Makel schrie gerade so nach dem Motto:“Lebe den Moment“! – Lebensphilosophie aller Kiwis!
Dass das keine Ausnahme war zeigte unser Hostel deutlich. Der Hostelbesitzer hatte uns ganz leger (und barfuß) von der Bushaltestelle abgeholt und uns alles wichtige erklärt. Bei seinen Ausführungen hatte er immer ein Grinsen auf den Lippen. Hatten wir irgendetwas lustiges an uns? Eher nicht, denn das Grinsen blieb und entwickelte sich nach ein paar Tagen zu einem nervenden Dauergrinsen. Was soll’s, besser als die ganze Zeit mit Trauermine umherzulaufen! Schlüssel für das Dorm (8-Bett-Zimmer) gab es zwar, die Türen standen aber immer sperrangelweit offen, sodass jeder x-beliebige Passant hätte in unser Zimmer laufen und sich nach Belieben bedienen können. Nachdem wir nach einem Spint o.Ä. gefragt hatten wurden wir nur belächelt und konnten immerhin unsere wichtigsten Dokumente wegsperren.  Konnte man selbst nach drei Monaten in Neuseeland immer noch solch einen Kulturschock erleben? Auf jeden Fall!
Nelson, eine Stadt mit ca. 50000 Einwohnern, bot an Attraktionen nicht viel mehr als jede andere Stadt Neuseeland, war jedoch vom „Flair“ unschlagbar. Wie eine Großausgabe der Surferstadt Raglans kam sie mir vor. Mit einem gigantisch langem weißen Sandstrand, allerlei Palmen, gemütlicher Einkaufspassage, bewaldeten Hügeln und einem am Horizont auftrumpfenden Alpenpanorama gab die Stadt allemal etwas her. Einer der angrenzenden Hügel war zudem als „Center of NZ“ ausgeschildert. Also stapften wir zum geographischen Mittelpunkt Neuseelands und genossen die Aussicht über die kleine, sonnige Stadt.

Genau da ist er, der Mittelpunkt Neuseelands!

Der Aublick war wieder ein mal hammermäßig!



Eines Abends dann radelten wir mit den vom Hostel kostenlos bereitgestellten Fahrrädern in Richtung Strand und sahen einen Sonnenuntergang, den man wohl nur aus diversen, einschlägigen Liebesfilmen hätte kennen können.

Der Strand von Nelson...

... und hier das ganze mit Sonnenuntergang


Für den dritten Tag in Nelson hatten wir uns dann schließlich den „Abel Tasman Nationalpark“, der für seinen Great Walk, dem „Coastal Track“ (Küstenwanderung) bekannt war vorgenommen. Für relativ wenig Geld wurden wir zum Startpunkt des Tracks gebracht, fuhren dann mit dem Wassertaxi entlang der Küste während der „Skipper“ kurze Pausen einlegte um uns Einiges über den Park zu erzählen. Mit rasanter Geschwindigkeit bei der viel Wind und Wasser aufkam rauschten wir zu dem Startpunkt unserer persönlichen Wanderung für die wir acht Stunden Zeit haben würden bis der Bus wieder nach Nelson zurückkehren würde. 

Vom Traktor gezogen ging's so ins Wasser - typisch Neuseeland


Also marschierten wir gemütlich über Stock und Stein, bald schweißnass aber glücklich über das herrliche Wetter. Da der Track sehr einfach zu laufen war, gönnten wir uns weniger Pausen und waren schneller fertig, was uns Zeit gab um noch einmal im Nationalpark baden zu gehen – was für eine Wohltat! Zum Vergleich zur letzten Wanderung in einem Nationalpark war das hier ein Spaziergang gewesen ;)
Und ihr glaubt garnicht wie laut das Gezirpe der Grillen werden kann – es war so ohrenbetäubend laut (und da waren wir nicht einmal im Regenwaldgebiet gewesen)! Mir war unwohl bei dem Gedanken, dass ich umzingelt sei meinen „Feind“ aber nicht sehen konnte :D

Der Typ, der da so komisch da steht bin übrigens ich :D







Zwei Tage später dann holte uns unsere neue Gastmutter in Nelson ab. Ja, schon wieder eine Gastfamilie (und das sollte noch nicht die letzte gewesen sein)! Da war einmal die vom surfen besessene Vollblut-Mama, der ständig von der Arbeit geplagte Vater und deren zwei kleinen Söhne, die nicht unterschiedlicher hätten sein können (und nicht der große war der Übeltäter!).
Wieder einen Megablick hatte ihr Haus zu bieten gehabt, unglaubliche Wolkenkonstellationen inklusive. Da konnte man nicht anders als Ukulele zu spielen!



Die Südländermentalität kam auch hier wieder voll durch: die Haustüren wurden konsequent offen gelassen, egal ob jemand da war oder nicht, das Auto, welches gerade einmal 500 km gefahren wurde wurde mir ganz ohne weiteres anvertraut um mal eben baden zu gehen. Auch wenn die Chemie dieses Mal nicht so ganz passte war es doch lohnenswert gewesen zu dieser Familie zu gehen. Wie bereits gesagt hatte die Mutter eine Obsession für das Surfen – Kite- und Windsurfen!  (Später entdeckten wir auch sogar einen Weltmeisterpokal im Kitesurfen von vor zwanzig Jahren!) Da kam es nicht selten vor, dass wir ganz spontan an den Strand fuhren nur um ein paar Wellen zu „catchen“. Genug Surfbretter waren da, unsere Surferanzüge konnten wir endlich einmal wieder nutzen. Und ich genoss jeden Sekunde im Wasser! Schade, dass es in Deutschland keine wirklich guten Surfstrände gibt, das werde ich definitiv vermissen!

Auf dem Weg ins Wasser!


Durch das Surfen kam auch manchmal der Vater zu spät zur Arbeit weil sie gerade im Wasser war und er die kleinen nicht allein lassen konnte. Eines Morgens, ich noch total verschlafen rührte gedankenverloren in meinem Haferschleimtopf, fragte sie uns ob wir denn mit surfen kommen wollten. Wir hätten eine halbe Stunde bis der Vater auf Arbeit müsse. „Aber ich mache mir gerade Haferflocken!“ „Ist doch egal, nimm dir ne Schüssel und iss sie im Auto!“ Was soll’s, schnell den wetsuit drüber gewurfen, Handtuch eingepackt und schon ging es in Richtung Strand. Die halbe Stunde verdreifachte sich schließlich und wir kamen hoffnungslos zu spät zurück – aber das war es wert gewesen! Es ist dieses Gefühl wenn du auf dem Board liegst und sich hinter dir eine Welle auftürmt und du wie ein kleines Kind bei den ersten Schwimmversuchen wie verrückt mit deinen Armen und Beinen paddelst um Geschwindigkeit aufzunehmen bis du die Welle unter dir spürst und es Zeit ist das Paddeln Paddeln sein zu lassen, auf das Board zu springen und die Welle zu surfen!
Frühs beim Surfen entstanden u.a. gigantische Szenerien..



Neben dieser Hauptattraktion besuchten wir auch „Cable Bay“ (der Strand, von dem aus Neuseeland das erste Mal durch ein Kabel mit der restlichen Welt verbunden wurde) und gingen natürlich auch wandern. Dieser Track gehört auf jeden Fall zu einem meiner Lieblingswanderrouten weil er so abwechslungsreich war. Zunächst bestiegen wir einen Berg, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf umliegende Bergmassive, Felsformationen und dem Meer hatte.

Aotearoa - the land of the long white cloud




Weiter führte uns der Weg durch einen dichten Wald der mit vielen Palmen (meine Lieblingsbäume!!) gesäumt war und wir schließlich auf einem anderen Berg landeten, von dem aus wir Nelson und dessen Hafen bestaunen konnten – das alles gab’s in drei Stunden zu sehen – Crashkurs Neuseeland!

Wir hatten keine Wahl, sie wollte uns nicht durchlassen :D



Gemeinschaft wurde auch in dieser Familie wieder großgeschrieben. Oft gab es BBQ’s wo spontan Freunde und Bekannte eingeladen wurden, oder aber auch mal einen Brunch, der mit Leckereien, wie Pancakes, Schinken und Ahornsirup zu Tisch bat.
Was jetzt noch so ansteht beim Abenteuer Neuseeland? Wir werden nun nach Christchurch fahren um dort hoffentlich eine Arbeit zu ergattern. Davor bleiben wir noch ein (vorerst) letztes Mal bei einer Gastfamilie. Nach dem einen Monat Arbeit wollen wir nur noch herumreisen und Neuseeland von der touristischen Seite erkunden ;)

Liebe Grüße aus dem Land mit den Kiwis,
euer Max J

PS.: Das hätte ich ja fast vergessen. Wir waren auch noch beim Friseur in Nelson gewesen – und es ist nicht in die Hose gegangen (entgegen all den schrecklichen Erwartungen), auch wenn die Friseuse nicht wirklich vertrauenerweckend aussah!




Freitag, 28. Dezember 2012

Santa Clause is coming...


Da sitze ich, schaue aus dem Fenster. Es ist sonnig, den ganzen Tag über schon. Und heiß. Sehr heiß. Und denke gerade über die letzten zwei Wochen nach. Immer wieder bin ich in solchen Momenten erstaunt, was man doch in so kurzer Zeit alles erleben kann . Gerade einmal zwei Wochen sind wir jetzt bei unserer neuen Gastfamilie, nur eine Straße weiter von unserer letzten entfernt. Und mir kommt es so vor, als ob das schon so viel länger zurückläge. Bereits drei Monate sind wir nun schon unterwegs und es kommt mir so viel länger vor. Nahezu kein Tag glich dem anderen. Und so war es auch wieder hier gewesen.

Am  siebten Dezember holte uns unsere Gastmutter Katherine, die zusammen mit ihrem Mann ein Weingut betreibt und selbst verschiedenste Weinsorten, wie Sauvignon Blanc, Pinot Noir oder Sparkling Wine (Sekt) herstellt bei unserer vorigen Gastfamilie ab. Mit kessem Kurzhaarschnitt kam sie uns mit einem Lächeln entgegen und brachte uns zu ihrem Haus. Dort angekommen wurden uns gleich alle vorgestellt: da wären Katherine und ihr Mann Jeremy und ihre Kinder Gabriel und Grace. Gleich zu Beginn hielt uns Katherine super gesunde Muffins unter die Nase, die wir dankend annahmen. Gesund kann so lecker sein! Nach den zwei Wochen hätte ich diese Aussage ergänzt durch „zumindest in Maßen“. Hier war beinahe alles zu gesund, was durchaus eine neue Erfahrung war ich aber wahrscheinlich nicht darauf zurückkommen würde.



Gleich noch an diesem Tag lernten wir viel über die Weinherstellung. Wir besuchten die Weinerei, sahen die Reifefässer und die Fermentierungsbehälter und schauten uns ebenfalls die Flaschenabfüllstation an.



Danach ging es auch gleich auf’s Feld um noch ein paar Stunden Weinranken auszurichten. Die Weinherstellung ist auf jeden Fall kein leichtes Geschäft. Es gibt viele Faktoren, die den Wein gut oder schlecht machen können. Das beginnt schon bei der Sonneneinstrahlung auf die Weinpflanzen oder der Nährstoffgehalt des Bodens. Will man nach der Reifung der Weinpflanzen ganze Früchte fermentieren oder nicht? Wie lang will man den Wein lagern? Welches Holz für die Fässer möchte man verwenden? All diese Fragen muss man sich stellen, definitiv eine Wissenschaft für sich. Wie erleichternd oder niederschmetternd muss es da sein, wenn man dann das Endprodukt nach monate- oder jahrelanger Schufterei schließlich das Endprodukt probiert?  Jedenfalls war Katherine die Erleichterung ins Gesicht geschrieben gewesen, als sie mit uns eine Flasche des kürzlich fertig gewordenen Weins geöffnet hatte.

Nach diesem sehr abwechslungsreichen Arbeitstag wurde es sehr viel eintöniger. Das Ausrichten der Weinranken an Drähten war unsere Hauptaufgabe, die uns die kompletten zwei Wochen verfolgte. Mit Musik im Ohr war das ganze doch recht erträglich und die Aussicht auf den kühlen Pool mit Trampolin (sicher habt ihr schon mein gepostetes Bild bei facebook gesehen) ließ alle Langeweile bei der Arbeit vollkommen verschwinden. Tage an denen wir drei bis vier Mal in den Pool sprangen waren da keine Seltenheit, da nun so gut wie jeder Tag sehr heiß war.

Das selbe Setting nur mit anderer Pose :)

Da die Kinder Ferien hatten war das für uns natürlich ein Vorteil, weil wir zwangsläufig viel unternahmen – schließlich wollen die Kinder ja auch auf Trab gehalten werden. Also hieß es das eine Mal gemütliches Schippern im Kayak auf dem örtlichen Fluss.

Da ja Weihnachten kurz bevor stand durfte auch keine  Weihnachtsfeier bei Bekannten der Familie fehlen (mit ebenfalls einigen netten Deutschen und gutem Thai-Essen, so viel man essen konnte).



Oder aber auch die Erkundung einer Glühwürmchen-Höhle blieb nicht aus. Beim zweiten Versuch, nachdem der erste wegen zu hohem Wasserstand gescheitert war, wateten wir mit „Kupplamp“ vorsichtig durch den unterirdischen Fluss, bedacht darauf nicht mit dem Kopf an die niedrige Höhlendecke zu stoßen. Wie bei der letzten Höhlenerkundung in den Waitomo Caves wurde auch hier wieder gesungen – schon wieder kamen wir auf das gute alte „Oh Tannenbaum“ zurück.



Eines Abends dann begann unser Gastvater spontan auf der Ukulele ein wenig herumzuzupfen, woraufhin sein Sohn einstimmte und Katherine mit ihrer Stimme das ganze komplettierte. Gleich war uns klar: eine sehr musikalische Familie! Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und so brachte uns Jeremy „Stille Nacht“ auf der Ukulele bei. Es ist garnicht so schwer, versucht es einfach mal! Bereits nach zehn Minuten war ein erheblicher Fortschritt erkennbar! Da übten wir also fast jeden Tag fleißig und wurde immer besser, hatten auch ganz spontane Musik-Abende, wo die ganze Familie zusammen kam und mit uns „jammte“ bis dann von einer Musiknacht im Ort (Martinborough) stattfinden sollte, wo sich ein paar wenige Leute versammelten und jeder etwas vorspielte. Mit leichten Andeutungen wurde uns klar, dass wir da auch mitmachen sollten. Solange wir etwas mit den Gasteltern aufführten war das ja kein Problem… aber leider standen wir schließlich alleine da! Ja, reingelegt hatten sie uns! Trotzdem war es ein Spaß! Wir waren mit Abstand die schlechtesten :D dafür waren die anderen um so besser^^




Eines Tages sahen wir in der Ecke ein Luftgewehr stehen und fragten natürlich, ob wir denn nicht einmal schießen dürften. Dafür fertigten wir uns einen Eimer mit besonders schiefer Zielscheibe an und schossen darauf aus sicherer Entfernung. Zunächst war ungewohnt doch nach ein paar Schüssen machte es richtig Spaß – ich traf sogar zwei Mal ins Schwarze! Neben den Spielereien mit solch einer Waffe war es eigentlich dazu gedacht Hasen zu jagen, die über das offene Feld flitzten. Und tatsächlich schaffte es doch Jeremy eines Morgens einen zu schießen. Da komme ich also schlaftrunken hinausgewatschelt und sehe Jeremy, wie er gerade den blutigen Hase zerlegt – guten Appetit! Der wurde dann auch gleich zum Mittag verspeist. Ein wenig gewöhnungsbedürftig war diese ganze Prozedur allemal!



Einige Male führte unser Weg auch in die Kirche zum Gottesdienst. Für unsere Gastfamilie war das ein sonntägliches Ritual obwohl keiner davon gläubig war, was mich doch stutzen ließ. Das erste Mal sahen wir im Gemeindehaus ein kleines Krippenspiel von Kleinkindern gespielt. Es war doch erstaunlich, wie die Geschichte von Jesus mit dem Weihnachtsmann vermischt wurde und sich wirklich niemand darum scherte!
Das Gotteshaus war sehr klein, es gab keine Orgel, weshalb die „eindrucksvolle, erhabene Atmosphäre“ schlichtweg  nicht existierte, wie man das aus alten prunkvollen Kirchen kennt aber natürlich kein Muss ist. Dafür war es sehr familär. Bei dem zweiten von uns besuchten Gottesdienst wurde abwechseln gesungen und Bibelverse zitiert.






Einen Spieleabend in der örtlichen Kneipe gab’s auch mal. Dort kamen Brettspielbegeisterte zusammen und es wurde „Gambit 7“ gespielt, wo Fragen gestellt wurden und man sich eine Antwort ausdenken musste und schließlich auf eine der Antworten mit Chips setzen musste.

Was wären zwei Wochen in Neuseeland ohne Wandern? Es ist einfach immer wieder fantastisch zu sehen, wie nahe fast jeder Neuseeländer an Nationalparks lebt! Da fuhren wir eine halbe Stunde und fanden uns am Rande eines atemberaubenden wieder!  Regenwaldfeeling en masse sag ich nur!




Und schließlich kehrte Weihnachten ein. Die Familie hatte uns den Vorschlag gebracht einfach über Weihnachten bis zum 31. In ihrem Haus zu wohnen und dort Weihnachten zu feiern. Sie könnten leider nicht mit uns feiern weil sie wegfahren würden. Diesen Vorschlag nahmen wir natürlich dankend an! Weihnachtsfeeling wollte jedoch nicht wirklich aufkommen, trotz eines Weihnachtsbaumes.



Zum Weihnachtsabend gab es leckere Burger und als Nachspeise einen Vanillepudding, ergänzt durch den wunderschönen Ausblick auf die angrenzenden Berge. Gleich danach schauten wir uns den schönsten Weihnachtsfilm an, den es gibt:“Die Muppets Weihnachtsgeschichte“. Die Weihnachtsfeiertage gingen ruhig vorbei, wir genossen die Ruhe und schliefen viel und erholten uns prima von den Anstrengungen von den vergangenen Monaten, sodass wir im neuen Jahr wieder voll durchstarten können! Zum ersten Feiertag, also dem "Christmas Day", der ja eigentlich gefeiert wird, hatten wir die Möglichkeit ein leckeres Weihnachtsessen bei Bekannten der Familie zu genießen. Dieser Tag war besonders heiß gewesen, deshalb hielten wir uns nicht lange beim Essen auf und sprangen bald in den Pool, der jedoch auch nicht sonderlich erfrischend war - immerhin war es nass. Was für ein merkwürdiges Gefühl das doch ist an Weihnachten im Pool umher zu schwimmen und dabei die unglaubliche Hitze auf seinem Gesicht zu spüren.

Mhhh lecker Hühnchen :)

Und was ich zu Weihnachten bekommen habe? Von meinem Bruder das typisch neuseeländische Kochbuch „Edmond’s Cookery Book“ und eine Ukulele von der Gastfamilie – besser geht’s ja kaum!

Kulinarische Einlagen bot uns Jeremy! Er zeigte uns das eine Mal wie man Sushi zubereitet, das andere Mal wie man sich "Roster" selbst macht.


Ich hoffe ihr konntet ebenfalls eure Weihnachten genießen. Ich wünsche euch einen frohen Rutsch ins neue Jahr und bleibt anständig J

Bis denne,
der Zipfelmützenträger

PS.: Am dritten Advent sahen wir uns die Weihnachtsparade im Ort an. Ist das nicht süß?^^


Und das hier passierte uns als wir auf dem Weg zur Glühwürmchen-Höhle waren...

Was jetzt? Einfach durchrollen, die gehen schon weg :D

Montag, 10. Dezember 2012

100% Neuseeland

Ich kann euch sagen, Schafe über die Weide treiben ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Das ist nicht so einfach wie es vielleicht aussieht. Wie wir dazu gekommen sind bedarf es einer etwas längeren Vorgeschichte…
Am 30.11.10 waren wir von Turangi, wo wir diese einzigartige Bergwanderung gemacht hatten, bequem im Bus nach Wellington gefahren, wo wir gegen Abend ankamen. Was für eine Erleichterung das doch ist einmal nicht darauf hoffen zu müssen, dass ein Auto vorbeikommt und dich mitnimmt. Hier konnten wir mit dem Gesicht gegen die Scheibe des Buses gepresst mehr oder weniger gemütlich dösen.
In Wellington angekommen sah man, obwohl es bereits dunkel war hunderte Banner, die die Hobbit-Premiere ankündigten. Das Bild, welches uns vom Bus aus auf die Stadt geboten wurde war sehr eindrucksvoll und hätte in diesem Moment nahezu jeder Küstenstadt Konkurrenz machen können. Die Stadt schmiegte sich an die sichelförmige Küste und deren angrenzenden Bergen an. Hinzu kamen all die Lichter von den Häusern der Wellingtonians (Wellington-Bewohner).



So ging es für uns also in unser Hostel um ein wenig zu schlafen bis wir dann am nächsten Tag den Mount Victoria, dem höchsten Aussichtspunkt in Wellington bestiegen um die Stadt in ihrem Maßstab voll und ganz erfassen zu können. Das Wetter war auf unserer Seite und mit der Unterstützung eines Chores neben dem Aussichtspunkt plus der Aussicht selbst war es den Aufstieg voll und ganz wert gewesen. Wie in der Nacht zuvor und natürlich besser konnte man nun die Stadt als Ganzes betrachten.



Im Gegensatz zu Auckland war die Population eher auf ein Zentrum ausgerichtet und nicht so verstreut gewesen. Deshalb kamen einem die Straßen auch manchmal etwas voller vor. Wenn man entlang des Hafens spazierte verspürte man diesen südländischen Flair, welcher von dem Baustil der Häuser und des ganzen Drumherums ausging.
Etwas verschwitzt ging es für uns daraufhin in das größte Museum Wellingtons – das „Te Papa“, welches sich über vier Stockwerke erstreckte und vom Boden bis zur Decke vollgestopft mit Wissen über die Geschichte Neuseelands, die Kultur der Maori (neuseeländische Eingeborene), der Erdbeben und Vulkanen war. Aufbereitet wurde das Ganze mit ausgefeilten technischen Mitteln, die das ganze spannend und interessant machten. Damit war ich vom Erfindergeist und der Kreativität der Macher des Museums vollends begeistert gewesen. Da waren drei bis vier Stunden wie im Flug vergangen!
Beispielsweise gab es eine kleine Hütte, die ein kleines Haus einer Familie repräsentieren sollte. Drinnen angekommen stand man in einem möblierten Wohnzimmer inklusive Fernseher, der noch eine Schlüsselrolle spielen sollte. Zunächst hörte man Nachrichten von vor 20 Jahren. Plötzlich begann es zu ruckeln, zu wackeln, man hörte Geschirr zerbrechen und eine Frau, die ganz hysterisch zu ihrem Mann schrie, dass sie schleunigst weg müssten. Bei dieser Erdbebensimulation lief es einem kalt den Rücken hinunter. Eine andere sehr coole technische Verspieltheit bot „The Wall“, eine interaktive Wand auf die man mit „Wands“ (Zauberstäbe) Fotos, Videos oder Schrift mit extra Computern veröffentlichen und diese dann auf der Wand animieren/vergrößern/bemalen konnte.



Selbst Hologrammvorführungen, die Geschichten über die Maori erzählten gab es. Und das war noch längst nicht alles gewesen, ich könnte noch einiges mehr aufzählen. Also wer einmal dort ist sollte sich schleunigst in das Museum bewegen – Empfehlung!!!
Bereits zwei Wochen ist es schon wieder her, dass wir bei unserer Gastfamilie in Martinborough angekommen waren. Heute ist unser letzter Tag hier, morgen geht’s ein paar Kilometer weiter zur nächsten.
Die Gastfamilie hier war ein homosexuelles Paar (ohne Kinder), die beide neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit in der Regierung Wellingtons eigenes Olivenöl herstellten. Folglich besaßen die beiden ein beachtliches Stück Land mit einigen Olivenbäumen. Rund um’s Haus gab es da natürlich einiges an Arbeit zu erledigen. Da waren Leute wie wir herzlich willkommen! Da sie bis vor einiger Zeit ein B&B geführt hatten war genug Platz da um mehr als zwei Helfer aufzunehmen. Deshalb war neben uns noch ein schwedisches Pärchen dort. So arbeiteten wir also zu viert, lernten uns gut kennen und veranstalteten unter anderem auch einen schwedischen Abend mit schwedischem 3-Gänge-Menü  bestehend aus typischen Gerichten, Power-Point-Präsentation mit typisch schwedischen Dingen und schwedischer Musik.

Das sind die beiden Schweden


Das deutsche Pendant dazu gab es dann einen Tag später. Für uns als relativ unerfahrene Köche war das natürlich mehr als eine Herausforderung, die wir jedoch ganz gut meisterten. Es gab: Toast mit Salami und Käse überbacken, als Hauptspeise Bauernfrühstück und zum Abschluss einen typischen neuseeländischen Pudding. Okey, ja so deutsch war das ganze nicht aber immerhin hatte es allen Beteiligten geschmeckt (jedenfalls hatten sie das behauptet).
Gleich nach den ersten paar Tagen dort hatten wir auch bald unsere Spitznamen weg. Mein Bruder war „Body for a gym“ (Körper als Fitnessstudio) und ich war „Body for a piano“ (was auch immer) deshalb da mein Bruder ein Buch besitzt mit dem er in Neuseeland trainiert, welches den englischen Titel „You are your own gym“ besitzt. Mein Spitzname gründete darauf, dass ich die Gelegenheit genutzt hatte, dass sie im Besitz eines E-Pianos waren und gelegentlich darauf „herumgeklimpert“ hatte.
Nach einigen Tagen etwas härterer Arbeit als sonst hieß es das wir helfen  könnten ein paar Schafe in die Koppel zu treiben weil sie am nächsten Tag geschort werden sollten. Weil das ganze etwas sehr spontan war und wenig Zeit blieb sich umzuziehen geschweige denn die Schuhe zu wechseln stolperte ich also mit meinen wundervollen Flip Flops über die Weide und versuchte mithilfe wilder Gestikulation die Schafe in die Richtung zu bewegen in die ich sie bewegen wollte. Da gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Der Großteil war schnell gefangen, einige Rabauken entkamen aber immer wieder bis wir diese letztlich mithilfe der erfahrenen Hirtin Jills (hauptberufliche Anwältin) einfingen. Was für ein Job! Völlig außer Atem aber doch glücklich über das einzigartige Ereignis fielen wir daraufhin schnell ins Bett nicht im geringsten ahnend was uns morgen erwarten würde.
Die meisten werden wohl wissen was da kam. Genau, die Wolle der Schafe musste ab. Und wir waren hautnah dabei, halfen zunächst bei dem ordnen der Schafe welche zuerst geschort werden sollten. Dabei durfte man nicht gerade zimperlich sein die Schafe etwas derbe anzugreifen oder gar gegen deren Willen zu zerren. Bei 35 Schafen war das ganze auch etwas anstrengend.



 So wurde also ein Schaf nach dem anderen geschort. Die meisten Zuschauer verloren bald die Lust und gingen – bis auf Mikael, der Schwede und ich, der Deutsche. Wir blieben bis zum bitteren Ende! Das schätzte Jills sehr.

Eine der Arbeiten, die ich zu tun hatte


Da ich ihr dabei half die Wolle zu sortieren und alle Schafe wieder zurück in die Koppel zu zerren bot sie mir an selbst ein Schaf zu scheren. Da würde ich doch nicht nein sagen! Also ging es daran mit dem Schergerät möglichst viel Wolle abzuschaben, was sich doch durchaus einfacher herausstellte als gedacht.

Ja, das bin ich und ja, das Schaf hat es überlebt


Nach meinem Job meinte Jills nur „He’s a natural! He’s a natural!“ (Er ist ein Naturtalent).

Jills in ihrem Element


Sie meinte ich könnte zur neuseeländischen Meisterschaft in Wellington nächstes Jahr im Februar kommen. Dort würde sie mir ein paar Tricks zeigen. Was mir zu dem ganzen einfällt? 100 % Neuseeland, ganz klar.
Der kleine Ort in dem wir lebten war nicht unbekannt in Neuseeland. Martinborough ist sehr berühmt für seine vielen Weinanbaugebiete. Es gab organisierte Busfahrten, die am Tag verschiedene Weingute ansteuerten und den Leuten „wine tastings“ (Weinproben) anboten. Wir, die bei Einheimischen lebten konnten ganz bequem mit dem Fahrrad all die Weinanbaugebiete erkunden und verschiedenste Weine probieren ohne so viel Geld ausgeben zu müssen. Oftmals verlangte das Weingut eine Pauschale von 5$, die jedoch beim Kauf eines Weines vom Weinpreis abgezogen werden würde. Alles in allem also ein gutes Angebot. Man erfuhr viel über die produzierten Weine und konnte noch seinen Gaumen verwöhnen.




 Gleich am ersten Wochenende bei der Gastfamilie ging es für uns zum Cape Palliser, wo sich ein wunderschöner Leuchtturm befand. Leider konnte man nicht einfach so ganz bequem mit dem Auto bis zum Leuchtturm fahren. Da musste man schon noch einige Stufen harter Arbeit bewältigen! Der Ausblick und das Gefühl von Freiheit entlohnte jedoch dafür reichlich. Sogar Robben konnten wir beobachten! Man durfte ihnen jedoch nicht den Fluchtweg abschneiden oder zu nahe kommen. Ansonsten fühlten sie sich zu eingeengt. Und ganz wichtig: Robben ruhen sich gerne zwischen Felsen auf. Da lief ich also zwischen den Felsen entlang und genoss die frische Seeluft bis ich plötzlich ein Röcheln vor mir vernahm. Da war sie, eine riesige Robbe. Ruhig bleiben, Max. Vorsichtig ging ich von ihr weg bis ich außer Reichweite von ihr war. Schließlich konnte ich wieder ruhig atmen.






Neben den schönen Ausflügen gab es natürlich auch einiges an Arbeit zu tun. Jeden Tag (ohne freien Tag in der Woche) mussten wir fünf Stunden am Tag verschiedenste Arbeiten rund um’s Haus erledigen: Rasenmähen, einen Weg zum Fluss von meterhohem Gras und Gestrüpp schaffen, die Dachrinnen reinigen, Fenster reinigen und noch einiges mehr. Bedingt durch meinen Heuschnupfen war die Arbeit als wir einen Weg zum Fluss schaffen mussten wohl die härteste Arbeit gewesen.



Abschließend lässt sich jedoch sagen, dass es mir trotz der harten Arbeit eines der besten neuseeländischen Erfahrungen gebracht hatte. Auf einen Neuseeländer kommen ca. 10 Schafe, das macht 40 Millionen Schafe in ganz Neuseeland. Und ich durfte eines davon scheren. :D

Bis zum nächsten Mal,

Liebe Grüße
euer Max J